Artikel-Schlagworte: „Grexit“

Späte Dämmerung

Dienstag, 7. Juli 2015

Die Zocker des zumindest wohl in Europa größten Schneeballsystems sind nach jahrelangem Schlaf ganz unsanft aus selbigem gerissen woren und reiben sich nun verwundert die Augen. Alle Milliarden, alle Denk- und Sprechverbote und alle illegitimen Aktionen haben nicht geholfen: die Eurozone steht vor einem Scherbenhaufen, die Hütchenspieler haben sich verzockt.

500 Milliarden Euro sind in Griechenland versenkt worden – die Glaubwürdigkeit der EZB ist seit langem beschädigt. Alle Denk- und Sprechverbote haben nichts genützt – der Begriff “Grexit” beherrscht nicht nur alle Medien, sondern kommt auch in schillerndsten Variationen vor wie gestern in seiner Ausprägung “Guerilla-Exit”. So viele gebrochene Verträge wie beispielsweise immer wieder den Maastrichtvertrag. Und alles hat nichts genützt. Schlimmer noch: in Griechenland rollt eine humanitäre Katastrophe auf uns zu. Es ist wie mit kleinen Kindern, die man vor sich selbst schützen muss.

Tiefer können die erfolglosen EU-Politiker fast nicht mehr sinken. Es ist nur noch dem Zwang der Umstände, der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, geschuldet, dass sie sich langsam in die richtige Richtung aufmachen. Viel zu langsam, viel zu wenig, viel zu spät. Die heutige Presseschau zeigt das ganz deutlich auf.

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Der Morgen danach

Montag, 6. Juli 2015

Die griechische Regierung hat ihr Referendum mit 61,31% der Stimmen gewonnen. Die Nacht wurde ekstatisch durchgefeiert und es wurden große Reden gehalten. Heute morgen jedoch wird sich der große Kater einstellen – und zwar nicht nur bei den Griechen.

Die blinde Scheckbuch-Politik der Geldgeber und das Leben auf Pump der Kreditnehmer ohne die geringste Reform von irgendetwas – staatliche Strukturen, aufgeblähte, ineffiziente Verwaltung, Wirtschaft, Steuersystem, Katastersystem, Rentensystem, Abbau der allgegenwärtigen Korruption und Einführung von etwas, das auch nur entfernt an Haushaltsdisziplin erinnert – hat zwangsläufig zu diesem showdown geführt. Griechenland ist pleite, der Euro hat für soviel Antagonismus in Europa wie seit Jahrzehnten nicht mehr gesorgt und Abraham Lincoln hat wieder einmal Recht behalten: “You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time.”

Genau das haben die Griechen jedoch schon vor ihrem EU-Beitritt getan und es seitdem konsequent durchgezogen. Lügen, betrügen, täuschen, tarnen, verschieben: anders wären sie auch nicht in die EU hineingekommen. Wenige Jahre und 500 Milliarden versenkter Euro später nimmt nun auch der letzte mit einem Minimum an Verstand gesegnete westliche Politiker seine rosarote Brille ab und merkt: Ups – einfach nur jahrlang Geld in ein Fass ohne Boden zu blasen war vielleicht doch nicht der richtige Weg. Denn der Steuerzahler könnte ja merken, wie er jahrelang abgezockt und für dumm verkauft wurde, und im Lincoln’schen Sinne sind wir wohl nun ans Ende der Fahnenstange gelangt.

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