„Das Parlament der Tiere“ – Eine fabelhafte Politsatire

Thomas Böhm, Chefredakteur von journalistenwatch.com, hat ein fabelhaftes Buch im wahrsten des Wortes geschrieben, handelt es sich doch um eine Fabel, bei der man sich vor Lachen öfters einmal verschluckt und die viele stumpfe Riten der Politik mit feinem Humor aufs Korn nimmt. Prädikat: sehr lesenswert.

Wolfgang Thüne, Philosoph und Meteorologe, bespricht das Buch von Thomas Böhm (247 Seiten, Verlag tredition, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8495-5074-5, Euro 12,99)

„Der König ist tot, es lebe der König! Kaum hat der Mensch, die „Krone der Schöpfung“ oder das noch selbstherrlichere Endprodukt einer zweckgerichteten „Evolution“ sich selbst ausgerottet, da beschließen die Tiere, das Modell „Parlamentarische Demokratie“ einzuführen und zu ihrem wahren Endzweck zu führen, ja sie zur „Staatsreligion“ zu erheben.

Wie und auf welch kuriose Art und Weise dies geschehen soll und wie dieses einmalige Experiment endet, das schildert Thomas Böhm auf eine unnachahmlich einfallsreiche wie sehr unterhaltsame Weise in seinem viel zu wenig bekannten Buch „Das Parlament der Tiere“. Das Buch entpuppt sich als eine Politsatire der feinsten Art, die von der ersten bis zur letzten Zeile von überraschender Spannung ist.

Es beginnt mit der Zeitungsente, die dem Platzhirsch zujubelt, dass die Menschheit ihren Geist aufgegeben hat. Der wittert seine Chance, die Weltherrschaft an sich zu reißen und gründet sogleich eine Partei. Zu gleicher Zeit weckt der Floh den Wolf und ruft ihm zu, dass seine Chance gekommen wäre, die Welt zu erobern. Zur Tarnung wurde dem Wolf ein Schafspelz aus reinster Schurwolle mit den Worten umgehängt: „Du wirst jetzt ein Politiker werden. Deshalb auch dein Schafspelz, denn das Vortäuschen falscher Tatsachen gehört dabei zum Geschäft“.

Kaum hatten sich diese beiden Lager gebildet, da begann schon der Wahlkampf, in Balzheim. Als erster betrat der Platzhirsch die Bühne und jubelte „Politik, Politik, wir machen Politik“. Der „Tag der Befreiung“ sei da und er wolle die Tierwelt ins Glück führen. Seine engsten Freunde waren der Blindfisch, das Stinktier, der Hornochse, der Kredithai und der Galgenvogel. Gesucht wurde ein Motto, an das alle Tiere der Welt glauben können, egal ob Kamel oder Eisbär. Schwieriger hatte es der Wolf im Schafspelz, der nach Verbündeten suchte und sich an die Schafe wandte mit den Worten „ich bin ein Schaf wie ihr“. Sie beschnupperten ihn und als erstes hieß ihn der Leithammel willkommen, dann der Neidhammel, der Streithammel, das Unschuldslamm, der Sündenbock und auch das Opferlamm. Im Abgeordnetenhaus, „Affenzirkus“ genannt, entbrannte ein heftiger Wahlkampf, an dem sich auch der Salonlöwe beteiligte, der die armen Raubtiere vertrat, die zu einer verfolgten Minderheit mutiert waren.

Es entbrannte ein abwechslungsreicher und spannender Wahlkampf, den haushoch der Platzhirsch gewann mit dem einfachsten aller Slogans: „Alle werden satt. Alle sind brav und alles wird gut.“ Er wurde bald größenwahnsinnig und gab aus, die Sonne abzuschaffen, denn „dieser verfluchte Stern diktiere das Leben auf unserem Planeten“, und bestimme auch die „verfluchte Artenvielfalt“. Wenn überall das gleiche Klima herrsche, werde es so etwas wie Hundstage, Schafskälte oder Affenhitze nicht mehr geben. „Die Sonne ist einfach vom Kern her gemein, ungerecht und diskriminierend. Haben wir sie erst mal hinter die Wolken verjagt und hier unten überall stickige, warme Luft verbreitet, ist endlich Schluss mit dieser verfluchten Artenvielfalt“.

Um langfristig die Artenvielfalt abzuschaffen, wurde zudem ein „weltweites Rudelrammeln“ angesagt, eine „globale Sexorgie“, um alle Tiere gleichzustellen und ein völlig neues „Superwesen“ als „Krone der Schöpfung“ zu schaffen. Um dem Futterneid ein Ende zu setzen, übernahm der Staat die Kontrolle über Speis und Trank und fabrizierte einen für alle Tiere gleichen und streng rationierten nahrhaften Einheitsbrei.

Dagegen wetterte der Salonlöwe samt Parteigenossen als Vertreter der Raubtier-Lobby. Das stärkste Argument: „Beim Fressen hört die Nächstenliebe auf“. In Balzheim sollte ein gigantisches Zuchthaus entstehen. Alle Jungtiere sollten direkt nach der Geburt unter staatliche Aufsicht gestellt und „voll kontrolliert hochgepäppelt“ werden als Beispiel eines „gelebten Sozialstaats“. Der Hornochse als Bildungsministers trat zurück mit der Begründung: „Bildung ist überflüssig, ja, Bildung ist sogar gefährlich, zumindest für das gemeine Tier. Das Ende der Menschheit sollte als Beweis für diese These wohl ausreichend sein. Die Zweibeiner haben sich zu Tode gebildet.“ Als Dank erhob der Platzhirsch den Hornochsen zum Ehrenpräsident.

„Soll das ein Witz sein?“ schimpfte der Salonlöwe. es bildete sich eine Opposition, die „Wahren Demokratiere“. Das mit dem Einheitsbrei, der zudem immer knapper wurde, brachte das Fass zum Überlaufen und entfachte den Tier Zorn. Dem Platzhirsch, der sich heimlich über den Wolken ein Luftschloss hatte bauen lassen, entglitt die Macht. Schließlich wurde er enttarnt und ins Tierheim gebracht.

Danach kehrte in Balzheim wieder Frieden ein. Ohne Parteien, Politik und Bürokratie erholten sich die Tiere zusehends. Ein köstliches Buch, das viele versteckte Wahrheiten enthält, die auch uns Menschen zum Nachdenken anregen.

Frank Lange

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