Der Griechenland-Plan ist illusionär

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Center for Economic Studies (CEP), hat Spiegel Online ein hochinteressantes Interview zum Thema Griechenland gegeben.

Das vollständige Interview mit dem Titel “Der Griechenland-Plan ist illusionär” findet sich hier. Einige wichtige Passagen werden nachfolgend wörtlich wiedergegeben.

Das Grundproblem ist, dass Griechenland nicht wettbewerbsfähig ist. Die billigen Kredite, die der Euro dem Land gebracht hat, haben die Preise und Löhne künstlich erhöht – und von diesem hohen Niveau muss das Land runter.

[Griechenland] würde [nach einem Austritt] wieder wettbewerbsfähig. Weil griechische Produkte schlagartig billiger würden, würde die Nachfrage umgelenkt, weg vom Import und hin zu eigenen Waren. Die Griechen würden ihre Tomaten und ihr Olivenöl dann nicht mehr aus Holland und Italien, sondern von den eigenen Bauern kaufen. Auch die Touristen, denen das Land in den vergangenen Jahren zu teuer war, kämen zurück. Und es flösse neues Kapital ins Land. Die reichen Griechen, die zig, wenn nicht hunderte von Milliarden Euro in der Schweiz deponiert haben, fänden es angesichts der gesunkenen Immobilienpreise und Löhne wieder interessant, in ihrem eigenen Land in Arbeitsplätze zu investieren.

Nein, niemand soll irgendwen [zum Austritt aus der Euro-Zone] zwingen. Aber Griechenland hat auch nicht das Recht auf dauerhafte Alimentation durch die anderen Euro-Staaten, und die Gläubiger Griechenlands haben keinen Anspruch auf Rückzahlung der Schulden durch die Staatengemeinschaft. Jeder muss sich seinen Lebensstandard selbst verdienen, und wer am Risiko verdienen will, muss es auch tragen.

Die griechischen Güter müssten um 30 Prozent billiger werden, um mit der Türkei aufzuschließen. Das geht nur durch Austritt und Abwertung. Ohne Abwertung müsste man Millionen von Preislisten und Lohnkontrakten umschreiben. Das würde die Gewerkschaften radikalisieren und das Land an den Rand des Bürgerkriegs treiben. Außerdem würden die Firmen der Realwirtschaft in den Konkurs getrieben, weil ihre Vermögenswerte fallen, während ihre Bankschulden bleiben. Die Bankschulden kriegt man nur durch Abwertung runter. Der Plan, Griechenland im Euro radikal zu sanieren, ist illusionär.

[Beim Austritt Griechenlands würde es] vielleicht Ansteckungseffekte geben. Aber ich halte das Argument für instrumentalisiert von Leuten, die um ihr eigenes Geld fürchten. Es heißt immer “die Welt geht unter, wenn Ihr Deutschen nicht zahlt”. In Wahrheit gehen nur die Vermögensportfolios einiger Investoren unter.

Die Auswahl der Zitate wurde vorgenommen von Frank Lange.

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